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Kleintiere

Info Kleintier
Haltung Kaninchen und Meerschweinchen


Artgerechte Kleintierhaltung
Als hätten kleine Heimtiere k(l)eine Ansprüche ...
Die häufigsten Missverständnisse in der Haltung und ihre meist fatalen Folgen

Kaninchen und Meerschweinchen werden oft angepriesen als unkomplizierte, pflegeleichte, lebendige Kuscheltiere für Kinder, beißen angeblich nie und fühlen sich wohl in der kleinsten Hütte. Seien Sie versichert, dass dem nicht so ist.
Es handelt sich weder um Schmuse-, Kuschel-, Schönwetter-, geschweige denn Wegwerf-Tiere, für die man nur ab und zu oder auch keine Zeit benötigt. Es handelt sich bei allen Tieren um Lebewesen mit arteigenen Bedürfnissen. Leider werden diese sehr häufig unterschätzt.

Die ständig steigende Zahl der sog. Abgabetiere lassen Tierschützer ein (Klage)-Lied singen: Kleine Heimtiere, die zuvor in örtlichen Zoohandlungen und Gartenbaumärkten gekauft wurden, werden ihren Besitzern schnell überdrüssig. Probleme in der Haltung, Überforderung, Zeitmangel, Desinteresse oder Allergien sind die häufigsten Gründe, weshalb die Tiere im Tierheim landen oder schlimmstenfalls ausgesetzt werden. Dabei ist ein Großteil der Tiere 2 Jahre und jünger, hat also noch nicht einmal ein Drittel der zu erwartenden Lebenszeit erreicht. Wir müssen davon ausgehen, dass keine oder nur unzureichende Beratung stattfindet. Wie sonst ist es zu erklären, dass etliche Besitzer z. B. das Geschlecht ihrer Tiere nicht kennen bzw. nicht bestimmen können oder nicht wissen, daß ein Männchen unbedingt kastriert werden muß, um Nachwuchs zu vermeiden?

Prinzipiell ist die Haltung von kleinen Heimtieren nicht einfach, auch wenn sie immer wieder so dargestellt wird. Denn nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Kaninchen und Meerschweinchen sind sehr anspruchsvolle Tierarten und gehören nur in fachkundige Hände. Vor der Anschaffung eines Heimtieres sollte man sich gründlich informieren und beraten lassen. Unüberlegte, spontane Entscheidungen und mangelndes Wissen sind keine gute Basis für eine glückliche Mensch-Tier-Beziehung. Aus mancher Haltung wird im Laufe der Zeit eine sog. Duldungshaltung, d. h. der Lebensraum der Tiere entfernt sich mehr und mehr von dem der Menschen. Und so manches Kaninchen oder Meerschweinchen findet sich plötzlich zwischen allerlei Gerümpel in der tristen Kellerecke oder im hintersten Gartenwinkel wieder, in der es zu tödlicher Langeweile verdammt ist. Etliche Kaninchen und Meerschweinchen führen so ein bedauernswertes Dasein, ehe sie frühzeitig klaglos sterben oder eingeschläfert werden müssen. Dies ist leider eine traurige Tatsache.

Die häufigsten Missverständnisse:

Am Anfang steht ein großer Kinderwunsch - am Ende oft ein lästig gewordenes, vernachlässigtes Tier.

Häufig werden Kaninchen/Meerschweinchen angeschafft, weil die Kinder sich das sehnlichst wünschen. Wer Kinder kennt, weiß, wie ausdauernd sie einem dann bedrängen und in den Ohren liegen können mit ihrem Wunsch. Auch wenn Kinder immer wieder beteuern, alleine für das Tier sorgen zu können, so tun sie das in ihrem kindlichen Übermut und ohne wissen zu können, was es im Alltag bedeutet, ein Tier zu halten und tagein, tagaus die gleichen - auch unangenehmen - Arbeiten zu verrichten über viele Jahre hinweg.

Kinder hören es nicht gerne und Erwachsene auch nicht:

Kaninchen oder andere Tiere sollten niemals in erster Linie für die Kinder angeschafft werden. Ihre anfängliche Begeisterung erweist sich nachher meist von kurzer Dauer und die guten Vorsätze sind schnell vergessen. Wie sonst kann es passieren, daß Kaninchen/Meerschweinchen dahindämmern, weil die Menschen �blind� sind, verhungern und verdursten, weil �es� vergessen wurde oder an Fliegenmadenbefall elend zugrunde gehen, weil die nötigen Kontrollen nicht stattfinden. Nicht selten gibt es Unfälle durch Kinderhände. Kaninchen und Meerschweinchen haben einen sehr zerbrechlichen Körperbau und sollten deshalb nie von Kindern herumgetragen werden. In Tierarztpraxen werden Kaninchen vorgestellt, die Kinderhänden entschlüpft sind und sich etwas gebrochen haben, denen das Trommelfell durchstoßen wurde, weil das Kaninchen als Spielzeug gesehen wird oder die mit schlimmen Verdauungsstörungen behandelt werden müssen, weil sie mit Keksen oder Schokoriegeln gefüttert wurden, um nur einige Beispiele zu nennen.

Unzweifelhaft ist es von Vorteil, wenn Kinder mit Tieren aufwachsen. Bei richtiger Anleitung durch die Eltern lernen sie so für ein Lebewesen Verantwortung zu tragen. Sie lernen, andere zu respektieren und Rücksicht auf deren Eigenheiten und Bedürfnisse zu nehmen. Das aber geht nur zur beiderseitigen Zufriedenheit, wenn die Eltern ihre Kinder in der Tierhaltung und Pflege unterstützen und selbst Erfahrungen mit der Tierart haben.

Aus diesen Gründen sollten vor allem die Eltern oder mindestens ein Elternteil selber große Freude an diesen Tieren haben und voll und ganz hinter ihrer Anschaffung stehen. Sonst ist es nur eine Frage der Zeit und es geht schief auf Kosten der Tiere, die dies mit ihrem Leben bezahlen müssen. Wie schnell Kleintiere für Kinder langweilig werden, ist allen Tierschützern bekannt.

”Aus Platzgründen könne nur ein Kaninchen bzw. ein Meerschweinchen gehalten werden”.

Kaninchen und Meerschweinchen sind sehr gesellige Tiere, die naturgemäß in Familienverbänden leben und zudem einen großen Lebensraum benötigen. Ein einzeln gehaltenes Kaninchen/Meerschweinchen leidet. Der Mensch oder ein artfremder Partner können nicht den lebensnotwendigen Sozialkontakt bieten. Daraus ergibt sich, daß eine Einzeltierhaltung nicht artgerecht ist.

”Die Haltung eines Kaninchens mit einem Meerschweinchen wird als ideal gesehen”

Auch heute noch empfehlen manche Tierhandlungen wie auch Tierärzte diese Kombination. Sie ist grundsätzlich zu vermeiden. Kaninchen und Meerschweinchen sind beide soziale Tiere, die einen Gefährten der eigenen Art brauchen. Jedes dieser Tiere verfügt über eigene Ausdrucks- und Verhaltensweisen, die nur vom Artgenossen richtig verstanden werden. Bestenfalls dulden sie sich und lenken so von ihrer Einsamkeit ab: Sie sind zwar nicht ganz allein, aber dennoch einsam! Es entsteht eine Zwangsgemeinschaft, der sie sich nicht entziehen können.

Sehr häufig unterdrückt das stärkere Kaninchen das Meerschweinchen. Kaninchen neigen bei Unstimmigkeiten zum sog. Boxen mit den Vorderläufen, was bei Meerschweinchen zu Rippenbrüchen führen kann. Diese Situationen, wie auch das ständige Besteigen bedeuten jeweils Verletzungsgefahr und Dauerstress.

Kaninchen und Meerschweinchen werden mit großem Selbstverständnis als Käfig-/Stalltiere gesehen.

Für die meisten Tierfreunde ist es unvorstellbar, einen Hund oder eine Katze irgendwie eingesperrt zu halten. Dieses Verständnis ist bei den kleinen Heimtieren nicht gleichermaßen vorhanden.

Die herkömmliche Art der Kleintierhaltung, wie sie leider allzu oft praktiziert wird, einzeln und in kleinen Käfigen bzw. Ställen, ohne Bewegungsmöglichkeit und Kontakt zu Artgenossen, entspricht keinesfalls den natürlichen Bedürfnissen der Tiere. Kaninchen wie auch Meerschweinchen möchten sich am liebsten immer frei bewegen und beschäftigen können und brauchen dazu einen großen, abwechslungsreich gestalteten Lebensraum. Obwohl Kaninchen und Meerschweinchen Gruppentiere sind, beginnen sie zu streiten, wenn sie in den herkömmlichen Käfigen und Ställen leben müssen. Nicht etwa wegen Anpassungsschwierigkeiten, sondern aufgrund der beengten Haltungsbedingungen und der ständigen Unterforderung. Auch uns Menschen ginge das nicht anders, wenn wir zu zweit auf engstem Raum eingesperrt wären. Käfige und Ställe sind für unsere Heimtiere, die bis zu 10 Jahre alt werden können, völlig inakzeptable Lebensräume. Leider gibt es kaum Fachgeschäfte, die tiergerechte Ausläufe anbieten. So werden diese Tiere aus kommerziellen Gründen immer wieder einzeln oder zusammen mit einem Meerschweinchen verkauft. Es liegt am verantwortungsbewußten Tierbesitzer, sich zu dieser Problematik Gedanken zu machen und entsprechend zu handeln.

Der ”Stallhase”, der in Wirklichkeit ein Kaninchen ist

Im Sprachgebrauch werden größere Kaninchen häufig als ”Stallhase” bezeichnet, obwohl es sich in Wirklichkeit um Kaninchen handelt. Ob Zwergkaninchen, Mischling, kleine oder große Rasse, alle haben die gleichen Bedürfnisse nach Sozialkontakt mit Artgenossen, Bewegung, Beschäftigung, Abwechslung, Ruhepausen. Das Schicksal dieser zu sog. Stallhasen degradierten Kaninchen ist es, ihr Dasein meist einsam in traditionellen Kaninchen-Ställen zu fristen, die leider immer noch in der Heim- und Nutztierhaltung verwendet werden. Diese Kaninchen leiden nicht nur an Platzmangel und fehlender Beschäftigung in der strukturlosen Umgebung, sondern zeigen auch Verhaltens- und Gesundheitsstörungen, wie z. B. Apathie. Langeweile tagein tagaus ist tödlich.

”Unser Kaninchen/Meerschweinchen bekommt Auslauf bei schönem Wetter, wenn wir Zeit haben, wenn es sich ergibt, im Winter nicht ...”

Kaninchen und Meerschweinchen sind keine Schönwetter-Tiere, die bei schlechtem Wetter nur im Käfig oder Stall sitzen wollen. In unseren Breitengraden überwiegen die Schlechtwetterphasen. Unzählige Kaninchen und Meerschweinchen, die in Außenställen gehalten werden, bekommen über viele Monate (= Lebensmonate) überhaupt keinen Auslauf. Das Bedürfnis nach Bewegung und Beschäftigung wird ihnen ersatzlos gestrichen, weil die Möglichkeiten nicht gegeben sind. Diese Tiere sitzen ihre Zeit buchstäblich ab. Keinesfalls zu empfehlen ist, die Tiere von draußen vorübergehend nach drinnen in beheizte Wohnräume zu bringen. Es droht ein Klimaschock aufgrund der großen Temperaturunterschiede und die Erkältungsgefahr steigt. Und was hat ein Kaninchen/Meerschweinchen wirklich davon, wenn es eine Stunde am Tag in unserem Wohnzimmer oder auf blankem Boden im Keller oder in der Garage herumspringen darf, wenn es anschließend wieder in die Tristesse geschickt wird? Viel sinnvoller ist es, diesen Tieren drinnen oder draußen einen adäquaten Lebensraum zu schaffen, die sie von Wind und Wetter und vor allem von der Lust und Zeit der Menschen unabhängig macht.
Wer seinem Tier täglich z. B. 4 Stunden Auslauf gewährt, muß sich dennoch darüber im klaren sein, daß es mehr als 4/5! seiner Lebenszeit eingesperrt, gelangweilt und unterfordert in einem Käfig oder Stall verbringen muß. Wer möchte dies seinem geliebten Kaninchen oder Meerschweinchen denn zumuten? Oft mausert sich das einstige Schmusetier zum bissigen Tier, welches dann im Tierheim landet; dabei hat es nur seinen Unmut über die unzureichenden Lebensverhältnisse kundgetan.